CPU+Mainboard-FAQ >> 9. Uebertakten


0. Inhaltsangabe
1. Über diese FAQ
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8. RAM
9. Uebertakten
 9.1 Voraussetz...
 9.2 Warum Uebe...
 9.3 Gefahren d...
 9.4 Wie uebert...
 9.5 L1-Bruecke...
 9.6 Was tun be...
10. Fehlersuche
11. Treiber
12. Montage
13. Links
14. Schlusswort

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9. Übertakten

Als Uebertakten wird bei CPUs die Erhoehung der Taktfrequenz eines Prozessors über die Spezifikationen hinaus bezeichnet.

Nein, so trocken bleiben wir nicht ;-). Uebertakten ist das, was die meisten Spieler, die ihren Rechner ordentlich konfiguriert haben, anstreben. Und da es so ein beliebtes Thema ist, wollen wir hier mal darauf eingehen.

Es waere nuetzlich, wenn Du vor diesem Kapitel das Kapitel 3 "CPUs" und das Kapitel 4 "CPU-Kuehlung" gelesen hast, es ist aber nicht zwingend erforderlich. Wenn Dir etwas unklar ist, schlag einfach im betreffendem Kapitel nach, da sollte es erklaert sein.

Fangen wir also an, und zwar mit den Voraussetzungen des Uebertaktens!

Zurück zum Anfang des Kapitels  9.1 Voraussetzungen

Die Voraussetzungen fuer das Uebertakten sind relativ leicht zu erfuellen:

  • Natuerlich ein uebertaktbarer Prozessor! Dazu eignen sich praktisch alle auf dem Markt befindlichen Modelle, wobei aktuelle Prozessoren von Intel aber nur ueber den FSB (siehe 9.4.1) uebertaktet werden koennen.
  • Eine angemessene Kuehlung (genauere Informationen in Kapitel 4). Bei Temperaturen ueber 60 ist das Uebertakten aber gefaehrlich bis unmoeglich.
  • Ein Motherboard, das es Dir erlaubt, den Multiplikator bzw. den Front Side Bus in moeglichst kleinen Schritten zu regulieren.
  • Ein Motherboard, das es Dir erlaubt die VCore (die Spannung im CPU-Kern) zu erhoehen.
  • Eine Ueberwachung Deiner Temperaturen in Deinem Betriebsystem. Oft werden solche Tools mitgeliefert, wenn nicht kannst Du fuer Windows den Motherboard Monitor 5 (MBM5) verwenden.
  • Ein Program, dass Dir erlaubt Deinen Prozessor unter Vollast zu betreiben. Dazu eignen sich Spiele die auf der Unreal Tournament Engine basieren oder auch der 3DMark 2001, eine Grafikdemo.
  • Prime95, ein Program, dass Primzahlen sucht. Es meldet kleinste Rechenfehler und warnt Dich damit vor Instabilitaeten, lange bevor Dein Rechner abstuerzt. Du findest es unter http://www.mersenne.org/ - Am wichtigsten ist die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren und dabei auch die Nerven zu behalten.

Wenn Du diese "Checkliste" erfuellt hast koennen wir uns den Details des Uebertakten zuwenden, als erstes dem "Warum?".

Zurück zum Anfang des Kapitels  9.2 Warum Uebertakten?

Ja, wieso Uebertakten? Es gibt viele Gruende, die wichtigsten moechte ich hier kurz aufzaehlen:

1.) Mehr Leistung fuer weniger Geld.

Fuer wenig Geld kann man einen niedrig getakteten Prozessor erstehen und ihn dann auf einer Taktrate betreiben, die den eigenen Leistungsanspruechen genuegt. Man spart also deutlich Geld, denn die aufwendigeren Kuehlmassnahmen stehen meistens zum Mehrpreis eines hoeher getakteten Prozessors in keinem Verhaeltnis. Deswegen ist das Uebertakten gerade bei notorisch armen Schuelern beliebt ;-).

2.) Mehr Leistung als aktuell verfuegbar.

Am Anfang des Jahres 2001 waren AMD Athlons mit maximal 1,2 GHz erhältlich, was vielen nicht genügte. Das AXIA-"Stepping" (auf der CPU prangte in der Buchstaben/Zahlen-Kombination die Zeichenkette AXIA - es ist aber nicht wirklich ein Stepping sondern eine Bauhreihe) erlaubte jedoch bei gleicher Spannung Taktraten bis zu 1.7 GHz - fast 50% schneller als die damaligen schnellsten offiziell verfuegbaren Athlons.

Oft wird auch gefragt, wozu die Mehrleistung des Uebertaktens denn ueberhaupt gebraucht wird - darauf moechte ich auch kurz eingehen:

Bei Berechnungen, die sich ueber mehrere Stunden hinziehen, ist eine Beschleunigung natuerlich hoechst willkommen, der Unterschied liegt in einem deutlich messbaren Bereich.
Auch kann das Uebertakten bei Computerspielen die Framerate ueber die kritische 30 fps-Rate steigern, denn ab dieser Rate wirken Bildfolgen für das menschliche Auge alsflüssig ablaufender Film und nicht mehr als Einzelbilder.

Als letztes wirkt der Spaß am Uebertakten und der Wille, die Ergebnisse der anderen zu uebertreffen - dabei sollte man aber nie das Wohl des Prozessors aus dem Auge verlieren. Man will die CPU ja nicht zerstoeren, sondern nur mit möglichst geringem Risiko an ihre Grenze treiben.

Natuerlich muss man sich ueber die Gefahren beim Uebertakten im Klaren sein, denn ohne ein gewisses Vorwissen koennen die Versuche zum Tod der CPU und anderer Komponenten oder Datenverlusten fuehren. Fahren wir also fort mit den Gefahren des Uebertaktens.

Zurück zum Anfang des Kapitels  9.3 Gefahren des Uebertaktens

Das Uebertakten waere natuerlich viel schoener und einfacher wenn es keine Gefahren gaebe. Die gibt es leider, und zwar nicht wenige :-(. Ich zaehle hier mal das auf was am haeufigsten passiert:

  • Wegen schlechter Kuehlung ueberschreitet der Prozessor seine Maximaltemperatur und laeuft nicht mehr stabil. Nicht weiter schlimm, weil es kein bleibender Schaden ist.
  • Wegen noch schlechter Kuehlung erreichen Teile des Prozessors die Grenze von 120. Bei dieser Temperatur veraendert sich die Kristallstruktur des Siliziums. Hoert sich nicht schlimm an, was? Heisst aber, dass Dein Prozessor von diesem Zeitpunkt an Elektronikschrott ist. Also, immer schoen kuehlen!
  • Beim uebertakten des FSBs werden die verschiedensten Taktraten mitgesteigert, so z.B. der PCI-Takt, der AGP-Takt und der Takt des IDE-Controllers. Gerade letzteres ist extrem gefaehrlich, denn dabei drohen Datenverluste.
  • Der erhoehte PCI- und AGP-Takt fuehrt zu instabilen Systemen, denn viele Karten machen den erhoehten Takt nicht mit. Sehr gut uebertaktbare AGP-Karten werden unter http://www.anandtech.com/showdoc.html?i=1270 aufgelistet.
  • Durch eine zu niedrige Spannung kann es sein, dass der Prozessor nicht mehr "richtig" laeuft. Das kann man mit dem Programm "Prime95" ueberpruefen, es zeigt einem solche Fehler schon lange vor den ersten Abstuerzen und Blue Screens an.
  • Durch die Erhoehung der Spannung wird NICHT, wie viele denken, am Ende der Lebensdauer ein Stueckchen "abgeknipst", es ist vielmehr so, dass die _statistische_ Lebensdauer dadurch sinkt, so dass die Ausfallwahrscheinlichkeit steigt.

Das waren schon die wichtigsten Gefahren, und nachdem ich Dich jetzt so erschreckt hab, moechte ich zu Deiner urspruenglichen Frage (na, immer noch interessiert?) zurueckkommen. Also, kommen wir nun zum "Wie?"

Zurück zum Anfang des Kapitels  9.4 Wie uebertaktet man nun?

Die Taktrate eines Prozessors errechnet sich aus dem FSB und dem Multiplikator (CPU-Takt = FSB * Multiplikator. Diese Formel reicht als Grundlage fuer ein einfaches Uebertakten.

Es gibt deswegen auch 3 Wege, einen Prozessor zu uebertakten:

1.) Den FSB (Front Side Bus) erhoehen

Hierbei wird der FSB ueber seinen normalen Takt angehoben. Der ist normalerweise mit 66, 100 oder 133 MHz getaktet. Der groesste Nachteil ist gleichzeitig der Vorteil dieser Methode: Alle Komponenten werden mit uebertaktet. Das ist aber nur dann der Fall wenn man die Teiler, aus denen sich andere Taktraten aus dem FSB ableiten, nicht anpassen kann.
Bei modernen Boards mit z.B. dem i815 oder dem KT266A kann der FSB wahlweise mit 100 oder 133 MHz betrieben werden. Dies hat aber nur auf den CPU-Takt Auswirkungen, andere Takte ändern sich nicht.
Diverse Taktraten eines Rechners leiten sich aus dem Front Side Bus ab, dazu gehoeren der Speichertakt, der PCI-Takt, der AGP-Takt und natuerlich der CPU-Takt. Die Ausfallwahrscheinlichkeit ist durch die Erhoehung des FSBs hoeher, da mehr Komponenten uebertaktet werden. Dadurch gewinnt das gesamte System aber auch an Geschwindigkeit. Wie Du den FSB einstellen kannst, schlaegst Du am besten im Handbuch Deines Motherboards nach.

Diese Methode wird vor allem bei Intel-Prozessoren - die seit dem Pentium 2 einen festen Multiplikator besitzen - angewandt.

2.) Den Multiplikator erhoehen

Hierbei wird der Multiplikator erhoeht, um eine Taktsteigerung zu erzielen. Diese Methode ist sicherer, da nur die CPU uebertaktet wird, nicht aber der Rest des Systems.
Wie Du den Multiplikator einstellen kannst, schlaegst Du am besten im Handbuch Deines Motherboards nach.

Diese Methode wird vor allem bei AMD Athlons und Durons angewandt, da bei ihnen durch das uebermalen der L1-Bruecken (siehe 9.5) der Multiplikator frei waehlbar ist.

3.) Den Multiplikator und den FSB erhoehen

Mittlerweile gibt es auch eine Mischung aus den beiden oben genannten Verfahren. Dabei wird der FSB leicht erhoeht, so dass sich PCI- und AGP-Takt noch in relativ normalen Bahnen bewegen, aber trotzdem eine spuerbare Mehrleistung vorhanden ist, dazu wird parallel der Multiplikator angehoben um die CPU staerker zu uebertakten. Diese Methode vereint die Vorteile beider Systeme, funktioniert aber nur mit AMD-Sockelprozessoren (Athlon (XP), Duron).

Nachdem man sich fuer ein Verfahren entschieden hat, geht man wie folgt vor:

Schritt 1

Man erhoeht im kleinsten moeglichen Schritt den FSB oder Multiplikator.

Schritt 2

Man beobachtet die Temperatur (sollte normalerweise unter Last nicht ueber 65 steigen) und testet diese Taktsteigerung durch Prime95. Falls Prime95 Fehler meldet, geht man zu Schritt 3, sonst wieder zu Schritt 1.

Schritt 3

Man erhoeht die Spannung um den kleinsten moeglichen Schritt und macht wieder bei Schritt 2 weiter. Man sollte die Spannung jedoch nicht um mehr als 15% erhöhen, da dann das Risiko die CPU zu zerstören stark steigt.

Durch dieses langsame "Herantasten" erreicht man die optimale Taktrate fuer den eigenen Prozessor.

Zurück zum Anfang des Kapitels  9.5 L1-Bruecken? Was ist das denn?

Um beim AMD Athlon und Duron den Multiplikator zu aendern, muessen die so genannten "L1-Bruecken" geschlossen werden.

Die Bruecken sind goldene "Flecken" auf der CPU neben denen auf der linken Seite L1 steht:

L1 . : : : :

Diese Bruecken sind normalerweise (nicht immer) geoeffnet. Um den Multiplikator zu verstellen, muessen sie verbunden werden, das geht am einfachsten mit Graphit, also einem Bleistift, oder auf die sichere Art mit Silberleitlack (in Elektronikshops erhaeltlich). Am besten nimmt man diese "Operation" mit einer Lupe vor, denn Querverbindungen fuehren dazu, dass der Multiplikator nur teilweise eingestellt werden kann. Nach der "Operation" muessen die Bruecken so aussehen:

L1 . | | | |

Nun kann man den Multiplikator am Motherboard verstellen.

Zurück zum Anfang des Kapitels  9.6 Was tun bei Problemen?

Auch wenn ich das ganze so perfekt erklaert hab' (;-)), kann es zu Problemen kommen. Fuer einige gibt es Loesungen, fuer andere nicht, aber ich zaehle mal das wichtigste auf:

1.) Der Prozessor wird zu warm!
Da kann man eigentlich nur auf Kapitel 4 verweisen, das Thema wird dort ausfuehrlich besprochen.

2.) Der Prozessor will einfach nicht mehr hoeher!
Dann hast Du wohl die Grenzen Deines Prozessors erreicht. Durch Manipulationen am Board koennen noch hoehere Spannungen moeglich sein, das ist aber nur Profis anzuraten, die *wirklich* wissen was sie tun. Sonst bleibt Dir nichts anderes uebrig, als Dich mit dem erreichten zufrieden zu geben.

3.) Dein Rechner faehrt nicht mehr hoch oder meldet Fehler!
Wenn Du viele RAM-Module hast, koennte es sein das eines minderer Qualitaet bei einem erhoehtem Speichertakt (bei FSB-Uebertakten) nicht mehr richtig funktioniert. Deswegen solltest Du in solchen Faellen wenn moeglich nur ein Modul benutzen, von dem Du weisst, dass es den erhoehten Takt mitmacht.

4.) Bei rechenintensiven Operation stuerzt der Rechner ab!
Uebertaktete Prozessoren benoetigen mehr Strom als normalerweise, deswegen kann ein Netzteil, das beim Standardtakt gerade ausreicht, beim Uebertakten zusammenbrechen. Wenn Dir so etwas passiert, versuche Dir ein anderes (staerkeres) Netzteil auszuleihen um zu testen, ob das Netzteil wirklich der Grund war.


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